Stadtökologischer Lehrpfad

Der Stadtökologische Lehrpfad stellt anhand von 14 Schautafeln verschiedene Aspekte über Biotopstrukturen, interessante Lebensräume, Grünflächen und über die Tierwelt vor. Der Rundweg führt um die Weismainer Innenstadt und dauert etwa 1,5 Stunden.

Stadtökologie

Klimatische Besonderheiten und charakteristische innerstädtische Strukturen haben Tiere und Pflanzen aus der umgebenden Landschaft in die Städte gelockt. Hier besiedeln sie nun verschiedenste Lebensraumkomplexe.

Pflanzenbestände in urbanen Räumen besitzen nicht nur Biotopfunktion, sondern bringen auch Lebensqualität. Ihre positiven Einwirkungen auf das Stadtklima machen sie dabei besonders wertvoll.

Auf einer Wanderstrecke durch Weismain bieten 14 attraktiv gestaltete Schautafeln Informationen über die wichtigsten Biotopstrukturen im Stadtgebiet. Der Weg beginnt und endet als Rundweg an der Umweltstation im Kastenhof.

Die Stationen des Lehrpfads

Die folgende (kindgerechte und verkürzte) Beschreibung der Stationen entspricht nicht der Beschriftung der Schautafeln, sondern wurde aus der Zeitschrift „Blattsalat“ (die Jugendzeitschrift des Kreisverbandes für Gartenbau und Landschaftspflege Lichtenfels) – Ausgabe 8 entnommen.

Wer mehr wissen und sehen möchte, muss sich schon selbst auf den Weg machen!

1. Ruderalflächen

Die Ruderalflächen sind durch menschlichen Einfluss entstandene Bereiche, die sich selbst überlassen werden. Die Ruderalflur, hier zwischen Parkplatzflächen und Stadtmauer, ist ein typischer Vertreter eines nährstoff- und stickstoffreichen Standorts. Brennnessel, Schöllkraut, Spitzwegerich und Sauerampfer sind anzutreffen. Hier leben Spinnen, Heuschrecken, Vögel wie Grünfink oder Amsel, Tagfalter, Wildbienen, Eidechsen, Igel und Mäuse.

2. Wildbienen

An der Stadtmauer zwischen dem Backhaus und dem Durchgang zum Stadtgraben hängt ein Nistkasten für Wildbienen. Mit dem Begriff „Wildbienen“ werden alle anderen heimischen Bienenarten von der Honigbiene abgegrenzt. Bei uns gibt es sieben Bienenfamilien, die wichtige Blütenbestäuber für Wild- und Kulturpflanzen sind.

3. Stadtmauer

Alte Stadtmauern können vielfältigen Pflanzengesellschaften Lebensraum bieten. Hier sind oft Farne, Moose und Flechten anzutreffen. Für einige Tiergruppen sind die alten Befestigungsanlagen Lebensgrundlage: Spinnen, Schnecken, Reptilien, Wespen, Wildbienen und Vögel besiedeln diese Biotope.

4. Alte Gebäude

Alte Bauwerke wie Scheunen, Wohnhäuser, Türme oder Kirchen prägen durch Bauformen, Baustile und durch charakteristische Baumaterialien das Bild des Stadtkerns. Diese Gebäude bieten auch Siedlungsmöglichkeiten und Unterschlupf für viele Tierarten. Tiere, die ursprünglich in der freien Natur, in Felsen und Bäumen beheimatet waren, nutzen die Gebäude als weiteren Lebensraum. Die Tiere wie Mehl- oder Rauchschwalbe, Dohle, Turmfalke oder Schleiereule, verschiedene Fledermausarten und der Siebenschläfer sind hier anzutreffen.

5. Stadtmauer

Hier steht ihr vor einem weiteren Teil der Weismainer Stadtmauer: Neben einer typischen Mauervegetation haben sich hier verschiedene Pflanzen der Ruderalflora sowie Gartenflüchtlinge angesiedelt. Diese sind durch die chemische und mechanische Reinigung des alten Mauerwerks oft gefährdet.

6. Schulhof

Die Umgestaltung des Schulhofs begann mit dem Öffnen der großen zugepflasterten Flächen. Um den Erlebnis- und Spielwert des Schulhofs zu steigern, wurden verschiedene Spielelemente und Spielbereiche gebaut. Hier entstanden durch Zusammenarbeit von Stadt und Umweltstation sowie durch den Einsatz von Eltern und Lehrern ein Lehmbackofen, Weidenirrgarten und -zelt, ein „grünes Klassenzimmer“, eine Höhle im Schulhof, Steingarten, Brunnen, Indianerzelt und Experimentierbeete.

7. Blick in die Landschaft

Der Blick auf Weismain und die umgebende Landschaft hilft uns, verschiedene Zusammenhänge anschaulich zu erklären. Hier erkennt ihr die Landbewirtschaftung und seht die sogenannte Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte geschaffen wurde. Bäume, Hecken, Gärten, Bachufer und entlang von Straßen gepflanzte Bäume verbinden die Landschaft mit der Stadt.

8. Hohlweg, Felsenkeller

Dieser Hohlweg ist ein Überbleibsel einer alten landwirtschaftlichen Nutzung. In die Sandsteinschicht an den Seiten wurden mehrere Felsenkeller geschlagen. In den Kellern sind oft verschiedene Fledermausarten zu finden, die hier auch ihren Winterschlaf – bis zu 6 Monate lang – halten.

9. Kleinstrukturen

Durch den Menschen werden oft weitere neue Biotope geschaffen. In einem Holzstoß, der zum Trocknen aufgeschichtet wurde, leben verschiedene Insektenarten, Vögel, Haselmaus und Igel. Auch Ziegellagen, ein Steinhaufen, Reisig- und Totholz werden von Zaunkönig, Mauereidechse, Erdkröte und Spitzmäusen als Lebensraum genutzt.

10. Ortsrand

Hier sind Kleingärten und Wiesen mit Obstbäumen zu sehen, die die Stadt mit der Landschaft verbinden. Es finden sich Gartenwildkräuter und Wildblumen, wie Wilder Rittersporn oder Kornrade. Diese werden von vielen Schmetterlingen und Wildbienen besucht. Nicht zu vergessen ist die Vielzahl an Vögeln, die diese Stadtrandgärten nutzen, z. B. Girlitz, Feldsperling, Heckenbraunelle, Grasmücke, Buch- und Grünfink.

11. Trinkwasser

Das Trinkwasser vom Fluss Weismain ist eine Voraussetzung gewesen, dass sich hier Menschen angesiedelt haben. Heute wird das Trinkwasser nicht mehr direkt aus Bächen und Flüssen geschöpft, sondern stammt aus dem Grundwasserspeicher und kommt über Brunnen und Quellen an die Oberfläche.

12. Fließgewässer

Entlang von Bächen wie Weismain und Krassach kann unverbrauchte Luft aus der Landschaft in die Stadt strömen. Dadurch wird das Klima zwischen den Häusern im Sommer und im Winter ausgeglichen und gemildert. In den Kopfweiden am Ufer sind viele Insekten zu finden. In den Höhlen von alten Stämmen der Kopfweiden wohnen z. B. Steinkauz und Fledermaus. Am Uferstreifen leben Wasseramsel und Bachstelze.

13. Fassadenbegrünung, Pflastervegetation

Durch die Bepflanzung mit Efeu, wildem Wein, Kletterrosen oder Clematis wird auch diese Hauswand lebendig. Die Bepflanzung schützt sie vor Witterungseinflüssen. Im Sommer halten die Pflanzen das Gebäude durch Beschattung und Verdunstung kühl und im Winter kann ein Wärmeverlust ausgeglichen werden.

Auf gepflasterten oder geschotterten Wegen können sich anpassungsfähige und robuste Pflanzen ansiedeln. Hier sind Breitwegerich, Vogelknöterich, Birnmoos und einjähriges Rispengras zu finden.

14. Großbäume

Ein solch großer Baum wie hier die Kastanie und auch die Linden im Kastenhof bieten vielen Tieren einen Lebensraum. Hier sind Eichhörnchen, Haselmäuse und Fledermäuse zu finden. Auch viele Vögel, wie der Star, Kleiber, Kohl- und Blaumeise, nutzen den Baum als Jagdrevier oder zum Nisten. Ein Baum verdunstet 400 Liter Wasser pro Tag, spendet Schatten, produziert Sauerstoff, nimmt Kohlendioxid auf und filtert den Staub aus der Luft.

Quelle:

Die Beschreibung des Lehrpfades und die abgebildete Karte wurden dem Faltblatt über den Lehrpfad entnommen:

Herausgeber: Umweltstation des Landkreises Lichtenfels,
Kirchplatz 11, 96260 Weismain, Telefon (0 95 75) 92 14 55
Texte: Umweltstation Weismain, Renate Halwart
Text, Layout, Zeichnungen und Fotos: Büro Böhm und Pander, Landschaftsarchitekten, Knetzgau

Das Faltblatt ist in der Umweltstation erhältlich.

Die Beschreibungen der Stationen stammen aus dem Heft „Blattsalat“ (Die Jugendzeitschrift des Kreisverbandes für Gartenbau und Landschaftspflege Lichtenfels) – Ausgabe 8.