Lehrpfad Kalkberg

Die Umgebung von Weismain, so auch das Gebiet um den Kalkberg, ist eine vom Menschen in Jahrhunderten geformte Kulturlandschaft. Wir erleben hier Landschaftselemente, die durch die Nutzung und Gestaltung des Menschen entstanden sind. Geologische und botanische Besonderheiten säumen unseren Weg.

Eindrücke auf dem Kalkberg

An den Gipfeln des Kalkbergs liegt eine karge, eindrucksvolle Landschaft. Kiefern und Wacholder  strukturieren die offenen Kalkflächen.

Unterhalb der Gipfel

finden sich die Magerrasenflächen mit typischen Pflanzenarten,
hier der Deutsche Enzian und die Gold-Distel.

Der Kalkberg aus der Luft, im Hintergrund Weismain

Der Kalkberg aus der Luft, im Hintergrund Weismain

Die einzelnen Stationen des Lehrpfads

Wir beginnen unsere Wanderung in der Umweltstation im Kastenhof (Kirchplatz 11).

1. Kastenhof

Der Fürstbischof von Bamberg, Lothar Franz von Schönborn, ließ das Gebäude Anfang des 18. Jahrhunderts erbauen. Architekt war der Hochstiftsbaumeister Franz Leonhard Dientzenhofer. Der Kastenhof war Amtssitz des Bamberger Kastners (Steuereinnehmers) und diente den Bischöfen als Unterkunft, wenn sie sich zur Jagd in Weismain aufhielten. Heute befinden sich die Umweltstation des Landkreises Lichtenfels, das NordJURA-Museum, das Weismainer Stadtarchiv, die Tourist Information und die Stadtbücherei Sankt Martin im Gebäude.

2. Stadtgraben

Der Graben wurde nach den Hussitenkriegen im Jahr 1430 als zusätzliche Befestigungsanlage angelegt. Heute ist er teilweise verfüllt.

3. Kreuzkapelle

Erster Kirchenbau der Barockzeit in Weismain, erbaut Anfang des 18. Jahrhunderts. Am Weg zur Kreuzkapelle stehen sieben aufwändig gestaltete Bildstöcke aus Sandstein, die ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammen.

Hohlweg4. Hohlwegsystem

Durch Ausfahren entstanden, immer wieder aufgewühlt und ausgewaschen. Wir finden hier Knoblauchrauke, Goldnessel, Schöllkraut, Wilde Stachelbeere und Rote Heckenkirsche.

Fledermauskeller5. Fledermauskeller

Die Keller stammen aus dem 19. Jahrhundert. Sie dienten zur Lagerung feldmäßig angebauter Kartoffeln. Im Rahmen des Naturparkprogramms wurden die Keller mit Eisentüren gesichert.
Eine Tiefe von mindestens sechs Metern ist für die Überwinterung von Fledermäusen notwendig. Weitere Informationen über die Fledermausarten können bei Ulrich Völker, Loffeld 1, 96231 Bad Staffelstein, erfragt werden.

Eisensandstein6. Eisensandstein

Eisensandstein ist feinkörnig, gelb bis rostfarbig mit fein verteiltem Eisenoxid. Beim Aufschlagen des Sandsteins werden Einschlüsse von Muscheln sichtbar. Auf den Sandsteinen finden sich oft Fraß- und Weidespuren der ehemaligen „Landbewohner“. Mürber Sand diente früher als Putz- und Scheuersand. Ebenso wurden die festgestampften Lehmfußböden in den Häusern mit diesem sog. „Stubensand“ ausgestreut.

Streuobstwiese7. Streuobstwiese

Auf der Verebnungsfläche finden sich Streuobstbestände mit Apfel, Birne, Zwetschge und Walnuss. Früher wurde zwischen den Obstbäumen geackert. Heute findet nur noch eine extensive Nutzung statt.

Lesesteinriegel8. Lesesteinriegel und Trockenmauer

Sie bieten Lebensraum für Amphibien und unzählige Insekten und sind eine „Villa“ für Mauswiesel. Hier finden wir das Zarte Zirbelkraut, die Echte Nelkenwurz und das Pfaffenhütchen.

MischwaldHaselwurz9. Mischwald

Die gut sichtbaren Terrassen waren einst so genannte „Handtuchäcker“. Sie wurden 1900/1910 aufgegeben und mit Wald aufgeforstet (Fichte, Kiefer, Eiche, Linde, Buche…). In der Krautschicht wachsen Sternmiere, Buschwindröschen, Sauerklee und Haselwurz.

10. Waldsaum

Waldsäume sind artenreicher als Waldgesellschaften. Wir sehen Schwarzen Holunder, Blutroten Hartriegel, Haselnuss, Vogelkirsche und Zitter-Pappel. Efeu und Waldrebe erobern ihren Lebensraum. Vor dem  Waldsaum liegt eine ehemalige Buckelwiese auf Ornatenton (Schicht zwischen Sandstein und Kalk). Hier verebnet das Gelände.

11. Bankkalk

Bankkalk ist ein Sedimentgestein (Ablagerungsgestein), das aus Meerestieren entstanden ist. Interessante Versteinerungen sind zu entdecken. Bankkalk bildet die Stufe mit artenreichem Wald aus Buche,  Hainbuche und Feld-Ahorn. Die „Löcher“ im oberen Bereich deuten darauf hin, dass Kalk entnommen, gebrannt und dann gelöscht wurde. Den sog. „Speck“ vergrub man zwei bis drei Jahre in einer Grube und  verwandte ihn dann zum Bauen.

12. Schutzhütte

Nach der Schutzhütte führt der Weg am Waldsaum entlang. Beim Schild „Naturlehrpfad“ biegen wir nach links ab.

13. Gehölze am Weg

Wir entdecken Wildapfel und Wildbirne, verschiedene Sorbus-Arten, z. B. Vogelbeere, Mehlbeere und die seltene Elsbeere, Gewöhnlichen und Wolligen Schneeball, den dornenbewehrten Weißdorn und die  Schlehe. Absterbende Wacholdersträucher weisen darauf hin, dass die Beweidung hier fehlte und schnellwachsende Baumarten die lichtbedürftigen Wacholder absterben ließen.
Das Feld auf der linken Seite ist ein „Kalkscherbenacker“. Der Untergrund hat nur eine Bodenauflage von 20 bis 30 cm. Schon in der Jungsteinzeit wurde hier Getreideanbau betrieben.

14. Kalkberggipfel/ Kalkmagerrasen

Wir stoßen auf den Weg nach Wohnsig. Hier biegen wir nach rechts ab, links ein Kreuz, das von der Familie Tempel gestiftet wurde. Nun erreichen wir die Hochfläche. Früher hielten Schafherden den Bereich frei. Mangelnde Nutzung ließ die Fläche verbuschen. Die Gruben bei der Hochfläche deuten darauf hin, dass Kalkmergel entnommen wurde. Dieser wurde zum Bauen verwendet (Füllung der Felder bei den Fachwerkhäusern). Heute finden wir neben dem charakteristischen Wacholder wieder zwei Enzianarten. Weiterhin die typische Vegetation der Kalkmagerrasen wie Bärenschote, Johanniskraut, Goldaster  und Thymian. Der vom Aussterben bedrohte Sandlaufkäfer ist hier noch anzutreffen.

15. Schwedenkreuz

Errichtet zum Dank, weil die Schweden im Dreißigjährigen Krieg Weismain nicht einnehmen konnten.

16. Hohlweg

Unser Rundweg führt an einem Trinkwasserbehälter vorbei, durch einen mit Linden bestandenen Hohlweg zurück nach Weismain. Im Frühjahr nutzen Lerchensporn, Leberblümchen und weitere  Frühjahrsblüher die Fülle des Lichtes aus. Am Ende des Hohlweges führt die Route rechts über das Schulgelände oder geradeaus durch das Obere Tor und den Marktplatz zurück zum Ausgangspunkt an der  Umweltstation.

Quelle:

Diese Beschreibung des Lehrpfads, die Fotos und die abgebildete Karte wurden dem Faltblatt über den Lehrpfad Kalkberg entnommen:
Herausgeber: Umweltstation des Landkreises Lichtenfels,
Kirchplatz 11, 96260 Weismain, Telefon (0 95 75) 92 14 55
Texte: Umweltstation Weismain, Renate Halwart
Fotos, Grafik, Layout: Büro Böhm und Pander, Landschaftsarchitekten, Knetzgau

Das Faltblatt ist in der Umweltstation erhältlich (momentan vergriffen).