Bürgerbeteiligung

„WIE WOLLEN WIR IN ZUKUNFT IN UNSERER STADT LEBEN?“

Kreativworkshop Weismain / Zusammenfassung vom 30.11.2018
©Copyright by Patricia Yasmine Graf HOTEL TOTAL Kreativ- und Eventagentur


Aktiver Prozess: Bürgerbeteiligung in Weismain.

Es ist bereits viel passiert im Bereich Stadtentwicklung in Weismain. Das „ISEK- Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept“ wurde in den vergangenen Jahren gemeinsam mit einer Lenkungsgruppe aus Bürgern und Gewerbetreibenden erstellt und im Stadtrat verabschiedet. Ziele wurden definiert und erste Projektideen wurden entwickelt. Nun sollen Taten folgen!

Unterstützung gibt es dabei durch ein Studentenprojekt der TU München. Nach dem ersten Besuch von Architekturprofessor Florian Nagler im August in Weismain startet im April 2019 das Semester-Projekt. Um den Studierenden die richtigen Impulse mit auf den Weg zu geben, sind die Ideen und Wünsche der Weismainer Bürger sind zentrales Element. Als Abschlussveranstaltung der Arbeit am „ISEK“ wurden zu diesem Zweck am 30. November 2018 im Rahmen eines moderierten Kreativ-Workshops im Kastenhof Weismain rund 50 Bürger der Gemeinde, Akteure und Partner aus dem lokalen Umfeld dazu animiert, sich mit Ihren Wünschen, Ideen und Zukunfts-Visionen für die Stadt zu beteiligen. Die Workshop-Ergebnisse sollen direkt in die Umsetzung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes einfließen.

Zu Beginn des Abends stellte Bürgermeister Udo Dauer zunächst gebündelt die sechs Handlungsfelder des „ISEK“ vor und hatte zusätzlich weitere positive Nachrichten im Gepäck.

Der Freistaat Bayern hat ein Förderprogramm „Sanierung öffentlicher Anlagen zur Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“ aufgelegt. Der Schwerpunkt der Förderung liegt dabei bei der Erneuerung und Renovierung von Kanälen und Leitungen. In der Stadt Weismain müssen die Trinkwasserleitungen und die Abwasserkanäle in der Kernstadt dringend saniert werden. Für die Stadt ist es deshalb verpflichtend, dieses Förderprogramm in Anspruch zu nehmen, weil Förderungen in Höhe von 80 % in Aussicht gestellt werden. Nachteil für die Stadt ist, dass der Förderzeitraum sehr kurz ist: Die Sanierungsmaßnahmen müssen bereits 2021 abgeschlossen sein.

Eine zusätzliche Herausforderung ist, dass sich die Stadt mit der Rathaussanierung beim Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ beworben hat. Sollte die Stadt Weismain in dieses Programm aufgenommen werden, das ebenfalls die Chance einer hohen Förderung bietet, muss die Restaurierung des Rathauses zeitgleich in Angriff genommen werden, was für die Bauverwaltung und das Bauamt einen kleinen Kraftakt bedeutet.


Bürgermeister Udo Dauer stellte die 6 Handlungsfelder des „ISEK– integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept“ vor.

Auch Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) führte aus, wie wichtig es sei, nach Abschluss des „ISEK“ nun die nächsten Schritte zu tun. In Weismain täten sich Möglichkeiten auf, um trotz klammer Kassen wieder vorwärts zu kommen. Wichtig seien dabei vor allem die Impulse aus der Bevölkerung. Und genau diese Impulse wolle man heute Abend im Rahmen eines ersten Workshops sammeln und bündeln.


Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) motivierte die Bürger, sich aktiv zu beteiligen.

Der kreative Teil des Abends startete mit einem inspirierenden Impulsvortrag von Dipl. Designerin Patricia Yasmine Graf (Geschäftsführerin der „Hotel Total Kreativ- und Eventagentur UG“ sowie Gründerin des Kreativnetzwerkes „Designmetropole Aachen“). Anhand vieler erfrischender Bilder diverser anschaulicher Best-Practice-Beispiele zu kreativen Vernetzungs- und Umnutzungsprojekten aus anderen Städten zeigte die Rednerin damit die Chancen von städtebaulichen Handlungskonzepten auf.

Graf stellte vor, welche Möglichkeiten es gibt, wenn Zuschüsse und eigenes Engagement richtig eingesetzt werden.

So präsentierte sie unter anderem das temporäre Pop-Up Konzept „Hotel Total“. Aus einem nicht mehr genutzten Gotteshaus, der leerstehenden Kirche St. Elisabeth in Aachen, entstand ein ungewöhnliches Hotel, welches als Kultur- und Gemeinschaftsraum diente. Die Kirche verwandelte sich in einen urbanen Ort für Kunst, Kultur und Leben, zu einem kreativen, kulturübergreifenden Zentrum im Stadtviertel. Es verknüpft die Themen Raum- und Umnutzung, die Entwicklung neuer Arbeits- und Organisationsstrukturen, Tourismus, Integration und Soziales – offen für Anwohner, internationale Gäste und alle Menschen, die gemeinsam Aachen nach vorne bringen wollen. Das Projekt HOTEL TOTAL wurde 2016 im Rahmen des CreateMedia.NRW Leitmarktwettbewerbes gefördert.


Dipl. Designerin Patricia Yasmine Graf startete den Abend mit einem inspirierenden Impulsvortrag.

Im weiteren Verlauf des Abends tauchten die Weismainer Workshop-Teilnehmer dann gemeinsam tiefer in den eigenen Ideenfindungsprozess ein, um eine gemeinschaftliche Vision für die zukünftige Stadtentwicklung Weismains zu entwickeln. Unter dem Motto: „Wie wollen wir in Zukunft in unserer Stadt leben?“ wurden mehrere Fragen erörtert und erste Ideen und Umsetzungsstrategien gesammelt.

Ziel des Workshops ist es, den Weismainer Bürgern eine echte Möglichkeit zu bieten, sich kreativ in den Umsetzungs-Prozess des „ISEK“ einzubringen, Bewusstsein für den eigenen Lebensraum zu schaffen und Mitverantwortung für das eigene Umfeld zu tragen. Gemeinsam wird etwas Sichtbares und Bleibendes geschaffen, wodurch ganz allgemein die Motivation zum öffentlichen Engagement gefördert wird und die Lebensqualität in Weismain steigt.

Gefördert wird dasProjekt durch Mittel der Städtebauförderung durch die Regierung von Oberfranken.

Nachfolgend finden Sie einige Workshop-Impressionen sowie eine kleine Zusammenfassung der Workshop-Ergebnisse.


Andrea Göldner verdeutlicht anhand von Fotos die vorhandenen Leerstände der Stadt.


Rund 50 Bürger der Stadt Weismain integrieren sich in den Ideenfindungsprozess.

Auf farbigen Karten werden Ideen zu verschiedenen Schwerpunkt-Themen gesammelt und sortiert.

Zusammenfassung der Workshop-Ergebnisse

Schwerpunkt: Soziales

– Kinoabende für Jugendliche
– Jugendarbeit / Treffpunkte / Jugendtanz / Jugendkino
– Barrierefrei (1 x Herz)
– Marktplatz barrierefrei: keine Bordsteine, sondern „wellige Übergänge“ (1 x Stern)
– Verweilqualität / Verweilflächen
– Mut für „Neues“
– Flächendeckend WIFI
– Stadt als Start in die Natur (Wanderwege)
– Senioren in die Stadt
– Kinder nicht vergessen
– Coaching-Partner für Start-Ups
– Asylbewerber integrieren

Unter dem Schwerpunkt „Soziales“ wurde vor Allem der Ausbau der Kinder- und Jugendarbeit genannt, aber auch Treffpunkte für Senioren in der Stadt sind gewünscht. Neue Möglichkeiten der Integration sollten geschaffen werden. Generell soll die Verweilqualität in der Stadt erhöht werden. Des Weiteren sollte bei der neuen Umgestaltung des Markplatzes, im Zuge der geplanten Kanalsanierung, auf die nötige „Barrierefreiheit“ geachtet werden.

Schwerpunkt: Kultur & Begegnung

– Kastenhof nicht ganz als Parkplatz / eine Hälfte als Stadtgarten
– Jährliches Fest im Stil von „Kronach leuchtet“
– Brunnen, Gräben, Wasserläufe überall im Stadtbild
– Bachlauf durch den Stadtkern
– Springbrunnen, Wasserspiele, Lichtspiele
– Ehemalige Stadttore kenntlich machen
– Moderne Stadthalle
– Workshops
– Kunst zeigen!
– Kleinkunstbühne „Oberes Tor“
– OPEN AIR (1 x Herz)
– Open Air Kino
– Eiscafé im Garten
– Längere Öffnungszeiten Gastronomie
– Ferienunterkünfte für Familien
– Abendgestaltung in der Stadt schaffen
– Nachtleben in Weismain (für Jugendliche) (5 x Herz)
– Nachtleben für Jugend schaffen
– Marktplatz als Eventfläche
– Tanzshows
– Kreativtreff
– Kreativ-Café (4 x Herz)
– Sommernacht im Kastenhof
– Gründung Genossenschaft in der ehemaligen Brauerei Fuchs (3 x Herz, 6 x Stern)
– Pflege der Kultur und Kunst in Oberfranken
– Kunst- und Kulturscheune „Fuchs“: Ausstellungen, Events, Feiern, Festhalle auch für Kastenhof (1 x Herz, 1 x Stern)
– Stadtgraben als Gartenfläche / Park + Spielplatz
– Kleinkunstbühne im Rathauskeller (1 x Herz)
– Parkplätze am Marktplatz reduzieren
– Parkplätze für den Einzelhandel am Marktplatz erhalten
– Lesecafé
– Herberge für Pilger
– Mehr Grünflächen im Stadtgebiet (Park, Spielflächen)
– Vernetzung nach Außen…
– Treffpunkt für Alt und Jung (Café oder Ähnliches)
– Nachtleben schaffen
– Umsetzung Pt. 5 erster Plan (bereits im 1. Workshop schon entwickelt)
– Grünflächen am Marktplatz
– „Rosengarten“ am Frauenturm mit Sitzmöglichkeiten und Pergola
– Kastenhof dauerhaft nutzen (2 x Stern)
– Verein gründen: „Wie aktiviere ich Asylanten in Kulturaustausch“

Der große Wunsch nach mehr kulturellem Angebot wurde vor Allem an den auffallenden Mehrfachnennungen diverser oben aufgeführter Punkte deutlich.

So ist es ein echtes Anliegen aller Bürger, das Nachtleben in Weismain zu aktivieren. Vor allem für Jugendliche besteht bisher noch überhaupt kein Angebot, sodass sie ständig darauf angewiesen sind, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, um in die Nachbar-Regionen zu gelangen. Die Entwicklung eines eigenen Ortes als Treffpunkt für Jugendliche (z.B. in einem alten Turm mit integrierter Bar), an dem Kreativ-Workshops, Kinoabende oder Tanzveranstaltungen etc. stattfinden können, wäre anzustreben.

Aber auch alle anderen Weismainer Bürger wünschen sich mehr Restaurants, Cafés und kulturelle Begegnungsorte. Treffpunkte, an denen verschiedene Generationen und verschiedene Kulturen, Anwohner und Gäste der Stadt miteinander in Berührung kommen (z.B. Kreativ-Café, Lesecafé, regelmäßige Kunstausstellungen, kleine Konzerte, Lesungen etc.). So könnte in Zukunft der Marktplatz auch als regelmäßig genutzte Eventfläche (Märkte, Veranstaltungen, Open Air Konzerte, Open Air Kino etc.) eingeplant werden. Dies sollte idealerweise direkt in die Planung der Flächenverteilung im Zuge der Kanalsanierung einbezogen werden.

Um Unstimmigkeiten zu vermeiden, darf in diesem Rahmen auch die Diskussion um die vorhandenen Parkflächen (Parkplätze erhalten vs. Parkplätze reduzieren) nicht außer Acht bleiben. Durch geschickte Anordnung von Grünflächen, Freiflächen, Parkplätzen und Flächen für eine ansprechende Außengastronomie können echte Mehrwerte geschaffen werden. Dies ist eine spannende Aufgabe für Architekturprofessor Florian Nagler und seine Studierenden der TU München.

Allgemein wurde auch der Wunsch nach gemeinschaftlich nutzbaren, öffentlichen Grünflächen deutlich. So könnte der Graben um die Stadtmauer zu einem Grüngürtel mit Park und Spielflächen umgebaut werden. Ein Bachlauf durch den Stadtkern, aber auch Brunnen sowie Licht- und Wasserspiele könnten das Stadtbild verschönern.

Im Zuge einer Belebung des Kastenhofes und der alten Brauerei Fuchs könnte man hier viele der Vorschläge zu einem sinnvollen Gesamtkonzept verbinden.

Schwerpunkt: Einzelhandel & Leerstände

– Aktivierung des Lindenkellers
– Übernachtungsmöglichkeiten schaffen
– Natur, unsere „Mutter Erde“ schützen, Wanderangebote, Workshops, etc.
– Kooperation der drei Gemeinden Altenkunstadt + Burgkunstadt + Weismain
– Stärkung und Ausbau gastronomisches Angebot
– Stadthalle als Markthalle nutzen
– Weinstube mit Kunstwerk-Verkauf
– Parkplätze erhalten
– Gastronomie herbringen (4 x Stern)
– Kommunbrauerei mit Bürgerbeteiligung und Schankbetrieb (2 x Stern, 2 x Herz)

Um die Innenstadt zu beleben, wurde mehrfach der Wunsch nach einer größeren Auswahl eines gastronomischen Angebotes geäußert. Eine Wiederbelebung des Lindenkellers oder auch einer leerstehenden ehemaligen Brauerei könnte sinnvoll mit Kulturangeboten und neuen Übernachtungsmöglichkeiten kombiniert werden. Denkbar wäre z.B. eine Kombination aus Weinstube mit Kunstverkauf oder auch die Nutzung einer kommunalen Mehrzweckhalle mit Schankbetrieb. Diese könnte an ausgewählten Tagen in der Woche als Markthalle dienen, aber auch Raum bieten für Workshops und wechselnde Veranstaltungen.

Hierbei wäre auch eine Kooperation der drei Gemeinden Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain anzustreben.

Schwerpunkt: Einzelhandel & Leerstände

– Einkaufsmöglichkeiten / kl. Geschäfte (3 x Stern, 2 x Herz)
– Fuchsscheune zum Kastenhof öffnen (Glashaus), Bar einbauen, Bühne, Markthalle, Auto-Frühling
– Lebensmittel aus der Region (1 x Stern)
– Markthalle 2 x im Monat / einfach Ladenflächen buchen (1 x Stern)
– Handwerk (1 x Herz)
– Weinladen & Buchladen / Feinkost kombinieren (1 x Herz)
– Dorfladen Regionale Produkte, Bio, verpackungsarm (4 x Stern, 1 x Herz)
– Gemüse, Obst, Markt
– Kleinere Unterkünfte Wandern, Radeln, Klettern (einfache Brotzeiten)
– Image der Stadt
– Fuchs Areal mit Café / Kneipe im Innenhof, Bewirtschaftung der Scheune
– Kleine Läden (1 x Herz)
– Kulinarik (1 x Herz)
– Stärkung und Ausbau des gastronomischen Angebots
– Wohnraum
– Parkfest mit Lampions
– Stadtgrabencafé an der Stadtmauer (1 x Stern)
– Jugendtreff & Bürgertreffpunkt auch für Vereine (1 x Herz, 1 x Stern)
– Kreativtreffpunkte: alt trifft jung, voneinander lernen
– Alte Traditionen vs. „Handygeneration“
– Tourismuskonzept (1 x Herz, 1 x Stern)
– Werbung für Weismain
– Oberes Tor und umliegende Gebäude neu nutzen
– Senioren Wohngemeinschaften
– Ideengeber zusammen bringen (1 x Stern)
– Stadtkern pflastern, Bäumen pflanzen, Dorfladen unterstützen
– Belebung der Rudhartsklause (auch das Haus in der Von-Rudhart-Straße 21 darf laut Besitzer mit in die Überlegungen einbezogen werden)

Aus der Ideensammlung der Kategorien „Einzelhandel“ und „Leerstände“ lassen sich mehrere Kern-Aspekte zusammenfassen. So tauchte unter anderem mehrfach der Wunsch nach neuen, spannenden Einkaufsmöglichkeiten und einer größeren Diversität kleinerer Einzelhandelsgeschäfte auf, welche das Einkaufen erlebnisreicher gestalten. Auch biologische Lebensmittel aus regionaler Herkunft (möglichst verpackungsarm) in guter Qualität, sind sehr gefragt.

Als weitere Idee wurde z.B. die Verbindung von Weinladen und Buchladen, kombiniert mit Feinkost und kulinarischen Besonderheiten eingebracht.

Das Konzept des händlergeführten Ladenlokals ist allerdings erst ab einer bestimmten Kundenreichweite und einem größeren Einzugsgebiet tragbar.

Eine Lösung könnte sein, eine Genossenschaft zu gründen und gemeinsam, in einem ehemaligen Leerstand, einen kleinen Dorfladen mit wechselnden und vielseitigen Angeboten aufzubauen und zu betreiben. Auch Lesungen und kleinere Events könnten in solchen Räumlichkeiten organisiert werden. Regelmäßig stattfindende Veranstaltungen schaffen Raum für Begegnung, erzeugen Kundenbindung und Identifikation.

Die Weismainer Bürger wünschen sich eine Auswahl an kleinen, gemütlichen Cafés (z.B. Stadtgrabencafé an der Stadtmauer). Kreativtreffpunkte für Bürger (jung und alt) sollen entstehen, an denen man gegenseitig voneinander lernen kann (Alte Traditionen vs. „Handygeneration“).

Ehemalige Leerstände könnten außerdem zu ungewöhnlichen Übernachtungs-möglichkeiten umgestaltet werden. Durch kreative Lösungen ist dies oft schon mit wenigen finanziellen Mitteln umzusetzen. Auch neuer Wohnraum könnte so entstehen. Gemeinschaftliche Mischwohnkonzepte sind ein weltweiter Mega-Trend.

Um das Image der Stadt nach vorne zu bringen, muss ein spannendes Tourismuskonzept erarbeitet werden. „Storytelling“ hilft dabei Emotionen zu vermitteln und eine Sogwirkung zu erzeugen. Dies ist „unbezahlbare“ Werbung für eine Kleinstadt wie Weismain.


Im Ranking ganz weit vorne: Ein Dorfladen für regionale Produkte, biologisch und fair und möglichst verpackungsarm

Lokale Besonderheiten: „Weismain Specials“

– Ein Label schaffen für lokale Besonderheiten z.B. „Ein Herz für Weismain“
– Stadtgrabenfest
– Tor zur fränkischen Schweiz
– Stadtlogo für Produkte aus der Region
– „Hölle“ aktiv nutzen
– Zeitreisen in Weismain / Altenkunstadt
– Turm beleben (2 x Stern)
– Übernachtungen
– Stadt am Wasser
– Fremde in die Stadt holen
– „Eine Nacht im Knast“ (Turmzimmer mit Gitterfenstern zum Hostel umbauen)

Im Rahmen des Workshops tauchte mehrfach die Frage nach den echten Alleinstellungsmerkmalen der Stadt Weismain auf. So stellt vor Allem die fast vollständig erhaltene Stadtmauer mit Ihren Türmen ein echtes Wahrzeichen der Stadt dar. Weismain bezeichnet sich gern als „Tor zur fränkischen Schweiz“. Sinnbildlich gibt es mehrere Tore, welche sich zur Stadt hin öffnen.

Um attraktive Touristenangebote zu schaffen, könnte ein Label für lokale Besonderheiten entwickelt werden. Ein Logo mit einem Slogan (zum Beispiel: „Ein Herz für Weismain“) schafft Sichtbarkeit und Wiedererkennungswert. Es könnte ebenfalls als eine Art „Gütesiegel“ für Produkte aus der Region genutzt werden.

Ungewöhnliche Übernachtungskonzepte, die mit den Gegebenheiten der Örtlichkeiten spielen, generieren Aufmerksamkeit und Anziehungskraft (z.B. nach dem Motto: „Eine Nacht im Knast“ – Altes Turmzimmer mit Gitterfenstern zum Hostel umbauen). Auf diese Weise werden neue Alleinstellungsmerkmale bewusst kreiert.

Akteure „Wer macht was in Weismain?“ (1 x Herz)

– Welche Firmen gibt es? z.B. „Stadtbranchenbuch“
– Wer sind „Akteure“? / Welche Vereine? / Welche Ansprechpartner?
– Museums-Kulturverein
– Stadtbibliothek
– Turnverein
– Seniorenbeirat / Rentnertrupp
– Kitas & Kindergärten
– Feuerwehr
– Gartenbauvereine
– Kolping
– Umweltstation und NordJURA-Museum
– Faschingskomitee
– Schützenverein
– VHS
– Tischtennisverein
– Asylanten integrieren

Oben aufgeführt eine kleine Auflistung der ortsansässigen Akteure und Vereine. Diese sollte auf Vollständigkeit geprüft werden. Es empfiehlt sich, möglichst viele Partner von Beginn an aktiv in den Entwicklungs- und Umsetzungsprozess einzubinden, um möglichst große Identifikation in der Bevölkerung zu schaffen.

Ranking der Ideen


Ideen-Ranking durch die Weismainer Bürger – Herzen und Sterne werden verteilt!

Nach dem Kreativ-Brainstorm wurde ein „Ranking“ der gesammelten Ideen durchgeführt. Jeder Workshop-Teilnehmer durfte jeweils ein Herz und einen Stern verteilen. Das Herz steht in diesem Fall – subjektiv betrachtet – für ein persönliches „Herzensprojekt“.

Der Stern wurde für Projekte vergeben, welche – objektiv betrachtet – für die Entwicklung der Stadt Weismain als sehr wichtig und relevant erachtet werden. Es empfiehlt sich, diese „Leuchtturm-Projekte“ als erstes in Angriff zu nehmen.

 

Mögliches Leuchtturmprojekt: Die Gründung einer Genossenschaft für Kultur & Begegnung in der ehemaligen „Brauerei Fuchs“

Formulierung der Aufgabenstellung an die Studierenden

Im Anschluss an das „Ideen-Ranking“ wurde gemeinsam mit den Bürgern per Zuruf-Moderation eine Formulierung für die Aufgabenstellung der Studierenden erarbeitet.


Formulierung der Aufgabenstellung an die Studierenden

ERGEBNIS: Die Aufgabe an die Studierenden
„Entwerfen Sie im Austausch mit den Weismainer Bürgern öffentliche/private Orte, welche die kulturelle Vielfalt unserer Stadt widerspiegeln und weiterentwickeln.
Bitte tun Sie dies unter Berücksichtigung von Stärken und Alleinstellungsmerkmalen der Stadt. Lenken Sie dabei Ihre Aufmerksamkeit im Besonderen auf folgende Orte: Marktplatz, Stadtmauer, Fuchs-Areal mit Kastenhof, Stadtturm, Stadthalle, Kolpinghaus mit Brauerei Obendorfer, …
Bitte nehmen Sie dabei besondere Angebote für Jugendliche und Senioren, Kultur und Begegnung in den Blick. Wir sind gespannt auf Ihre Vorschläge!“

Handlungsempfehlungen
Im Rahmen des 60-minütigen Workshops sind bereits viele spannende Ansätze zusammengetragen worden. Um die Ergebnisse nun sinnvoll umzusetzen, empfiehlt es sich, einige kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele zu definieren.

Kurzfristige Ziele
Im nächsten Schritt ist die Durchführung weiterer moderierter Kreativ-Workshops geplant. Dieses Mal mit einzelnen, konkreten Zielgruppen. Zum Beispiel sollte ein Workshop speziell für Jugendliche aus Weismain gestaltet werden. In diesem Rahmen sollen die tatsächlichen Bedarfe und Wünsche der Jugendlichen ermittelt werden. Im Anschluss daran wird eine Arbeitsgruppe gebildet, welche dazu in der Lage ist, die Ideen selbstständig weiter auszuarbeiten.

Eine weitere Zielgruppe für einen Einzelworkshop stellen die Immobilien- und Ladenbesitzer in Weismain dar. Hier mit besonderem Blick auf die Besitzer der einzelnen, leerstehenden Gebäude und Einzelhandelsflächen. Diese sollen dazu angeregt und ermutigt werden, gemeinsam neue Wege zu gehen und sich einem Umgestaltungsprozess gegenüber zu öffnen oder sich sogar aktiv einzubringen. Konkrete Handlungsschritte sollten fixiert werden. Auch hier sollte im Anschluss an den Workshop eine Arbeitsgruppe gebildet werden, um die Entwicklungen voran zu treiben.

Ein dritter Workshop könnte sich mit dem Thema der Genossenschaftsgründung befassen. Alle interessierten Bürger, die sich vorstellen können, aktiv und kreativ in einem solchen Prozess mitzuarbeiten, sind herzlich eingeladen, eine weitere Arbeitsgruppe zu bilden, welche sich z.B. mit dem Thema „gemeinschaftlicher Dorfladen“ und / oder „Kultur & Begegnungsort in der alten Fuchs-Brauerei“ auseinander setzt.

In regelmäßigen Abständen sollte der Prozess der einzelnen Arbeitsgruppen mit Blick auf die Gesamtentwicklungen des „ISEK“ trotzdem weiter extern moderiert werden.

Mittelfristige Ziele
Anfang April startete das Semesterprojekt von Prof. Florian Nagler und seinen Studierenden der TU München. Bis dahin sollten konkrete „Meilensteine“ der einzelnen Arbeitsgruppen festgelegt werden. Ein Besuch der Studierenden in Weismain ist für Anfang / Mitte April geplant. Die Studierenden sollten eine Führung durch die Stadt erhalten, die den Blick speziell auf die Orte lenkt, die in Zukunft neu bzw. umgestaltet werden sollen: Marktplatz, Stadtmauer, Fuchs-Areal mit Kastenhof, Stadtturm, Stadthalle, Kolpinghaus mit Brauerei Obendorfer etc.

Außerdem sollte ein Workshop-Termin definiert werden, an dem die Studierenden in einem moderierten Prozess gemeinsam mit den Weismainer Bürgern in Austausch gehen. Ziel des Workshops ist es, den Studierenden die wirklichen Bedarfe der Bürger zu vermitteln, um zu vermeiden, dass der kreative Prozess in die falsche Richtung zielt. Im Sommer 2019 sollen die studentischen Arbeiten im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung in Weismain präsentiert werden. Denkbar wäre eine Ausstellung in einem temporären Leerstand in der Stadt.

Wünschenswert wäre es, die besten Ideen der Studierenden tatsächlich real umzusetzen. Da die innerstädtische Kanalsanierung bevorsteht, bietet sich die Möglichkeit, die kreativen Entwürfe direkt in die Bau-Planungen einzubeziehen.

Weitere Meilensteine für die Ausschreibungs- und Bauphase sollten definiert werden.

Langfristige Ziele
In der langfristigen Vision für Weismain entsteht eine komplett neu gestaltete Innenstadt mit einem multifunktionalen Marktplatz, der genügend Freiflächen, Außengastronomieflächen, Grünflächen und Parkplatzflächen bietet. Regelmäßige kulturelle Events (z.B. Lichterfest mit Lampions, Auto-Frühling, Open Air Veranstaltungen etc.) finden dort statt.

Der Kastenhof samt ehemaliger Brauerei Fuchs verwandelt sich in einen lebendigen, genossenschaftlich betriebenen Kultur & Gemeinschaftsort. Tagsüber findet dort ein regulärer Café- und Restaurantbetrieb statt. Abends, sowie an den Wochenenden finden wechselnde Veranstaltungen aller Art statt (wöchentliche Märkte für regionale Produkte, kleine Konzerte, regelmäßige Ausstellungen, Lesungen, Kreativ-Workshops, Designmärkte, kulinarische Verkostungen etc. …).

Dieselbe neu gegründete Genossenschaft (oder auch eine weitere Genossenschaft) betreibt im Ort einen kleinen Dorfladen, welcher regionale Frischeprodukte (Obst, Gemüse, Feinkost) in biologischer Qualität und möglichst verpackungsarm anbietet. In einem ehemals leerstehenden Ladenlokal entsteht ein kleiner, liebevoll eingerichteter Mitgliederladen mit einer monatlich wechselnden Auswahl an Produkten.

Die Jugend der Stadt trifft sich im alten Turmzimmer und hat sich mit Unterstützung der Stadt selbst ein neues Reich erschaffen, an dem kreativ gearbeitet, gefeiert und getanzt werden kann. Ein lang gehegter Wunsch der jungen Akteure – ein neuer Skatepark – ist die Attraktion für Jugendliche der Region. Die Verortung des Parks wurde gut geplant, sodass Lärmbelästigungen von Anfang an ausgeschlossen sind.

Neue Übernachtungsmöglichkeiten werden geschaffen. Ein kreatives Hostel mit individuellen Erlebniszimmern entsteht. Außen traditionell – der örtlichen Architektur entsprechend – innen mit WOW-Effekt. Im Rahmen eines weiteren studentischen Wettbewerbes könnten kreative Innenarchitekturkonzepte generiert und umgesetzt werden (evtl. könnte zu diesem Zweck auch das Wohnhaus aus der Barockzeit in der Von-Rudhart-Straße 21 mit eingepant werden).

Um das Image der Stadt nach vorne zu bringen, sollte ein spannendes Tourismuskonzept erarbeitet werden, das alle neuen kulturellen Angebote in einem positiven Licht erscheinen lässt. Gute fotografische Aufnahmen und ansprechende Texte sind dabei existenziell. Die Webseite der Stadt Weismain sollte bewusst die Alleinstellungsmerkmale der Stadt hervorheben. Mittels „Storytelling“ werden Emotionen vermittelt.

Jeden Monat tagt regelmäßig ein Bürgerstammtisch, der sich der Belange der Weismainer Bürger annimmt.

Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann entwickeln Sie weiterhin jeden Tag neue kreative Ideen und sind glücklich bis an Ihr Lebensende 🙂

Presse & Öffentlichkeitsarbeit

Bereits im Vorfeld wurde der Kreativworkshop in der Tagespresse angekündigt:

Obermain Tagblatt, Samstag,24.November2018, Nr.272,Seite23:
https://www.obermain.de/lokal/altenkunstadt-burgkunstadt-weismain/art2415,699382


Fränkischer Tag, Samstag/Sonntag,24./25. November 2018, Seite11

Die Nachberichterstattung finden Sie nachfolgend und Online:

Obermain-Tagblatt; Dienstag, 4.Dezember 2018  –  Nr. 280  –  Seite 17
https://www.obermain.deilokal/altenkunstadt-burgkunstadt-weismain/art2415,702020

Fränkischer Tag; Mittwoch, 5. Dezember 2018, Seite 11:
https://www.infranken.de/regional/lichtenfels/weismainer-schaffen-sich-ihre-stadt;art220,3895273

© Bild + Text: Copyright by Patricia Yasmine Graf HOTEL TOTAL Kreativ- und Eventagentur