Schon in der
Steinzeit war das Land um Weismain besiedelt: Erste Einzelfunde aus dem
Philippenloch
bei Wallersberg (2 altsteinzeitliche Funde im
Landschaftsmuseum Obermain, Kulmbach) und aus Kleinziegenfeld
(mesolithische und neolithische Geräte) stammen aus der Zeit um 80000 vor Christus.
Ende 7.
Jahrhundert
Funde von frühslawischen
Scherben in der Nähe des frühmittelalterlichen Friedhofs
Vor 800
Bedeutender
Friedhof aus karolingisch-ottonischer Zeit an der Giechkröttendorfer
Straße
800
Weismain wird in einer nur abschriftlich erhaltenen Urkunde des Klosters Fulda erstmals
erwähnt. Vermutlich stammt aus dieser Zeit auch das Martinspatrozinium der Pfarrkirche.
Um 1190
gelangen Weismain und die Burg Niesten in die Hände der Andechs-Meranier, die den Ort
Anfang des 13. Jahrhunderts zu seiner heutigen Gestalt mit dem langgezogenen Straßenmarkt
ausbauen.
1248
Herzog Otto VIII. von Andechs-Meranien stirbt als letzter weltlicher Vertreter seines
Geschlechts auf der Burg Niesten. Nach einem mehrjährigen Streit um sein Erbe werden
Weismain und die Burg Niesten dem Hochstift Bamberg eingegliedert.
1313
Weismain wird der Überlieferung nach zur Stadt erhoben. Im Anschluss daran wird wohl die
Stadtmauer errichtet, von der heute noch Teile zu besichtigen sind.
1410
Weismain erhält das Privileg zum alleinigen Brauen und Verkaufen von Bier im Amt.
1430
Ein Einfall der Hussiten verursacht schwere Schäden, besonders an der Pfarrkirche.
Um 1543
wird das ältere Neydeckerhaus gebaut. Die Stadt erwirbt das Haus 1765 aus dem Besitz des
Klosters Langheim und nutzt es seitdem als Rathaus.
15./16. Jahrhundert
Die Stadt erlebt eine wirtschaftliche Blütezeit.
1572-77
Bürgermeister und Rat errichten den Stadtbrunnen, der heute vor der Sparkasse steht. Die
bekrönende Rolandsfigur stammt vermutlich vom Bamberger Bildhauer Pankraz Wagner.
1613/14
Mauritius Knauer, der Verfasser des "Hundertjährigen
Kalenders", kommt in Weismain zur Welt.
1632
Der Dreißigjährige Krieg beginnt, sich unmittelbar auf Weismain auszuwirken. Die
Vorstädte werden bei den Kriegshandlungen niedergebrannt.
1641
wehrt die Stadt eine
schwedische Belagerung ab und erbeutet 14 Kanonen, von denen
einige heute im NordJURA-Museum im Kastenhof zu besichtigen sind.
1701-07
Der Bamberger Hofbaumeister Leonhard Dientzenhofer baut nach eigenem Entwurf den
Kastenhof.
1711
Die bis ins 19. Jahrhundert nachweisbare Schneckenmast wird erstmals erwähnt.
1757
Durch die Preußen erleidet die Stadt im Siebenjährigen Krieg schwere Schäden: Die
Truppen schießen Teile der Stadt in Brand.
1802
Der letzte Fürstbischof von Bamberg legt seine weltliche Herrschaft nieder. Das Hochstift
Bamberg fällt an das Kurfürstentum Bayern. In Weismain entstehen 1804 als neue Behörden
Landgericht und Rentamt.
1827
Fünf Weismainer Tuchmacher richten eine mechanische Spinnerei ein.
1848
Adelssitze im Landgericht Weismain werden im Revolutionsjahr zum Ziel von Angriffen. Zur
Sicherung der Ruhe in der Stadt gründet sich ein Freiwilligenkorps.
1860
Der Färber Georg Wündisch richtet zusammen mit Gregor Schmitt und Jakob Dietz eine
Wollspinnfabrik ein.
1861
Justiz und Verwaltung werden in Bayern getrennt. Weismain kommt zum Bezirksamt
Lichtenfels, bleibt aber Sitz von Landgericht (später Amtsgericht, bis 1943) und Rentamt
(später Finanzamt, bis 1932).
1867
Der Stadt Weismain wird die Führung eines Hopfensiegels genehmigt, nachdem der
Hopfenanbau seit ca. 1820 stark angewachsen ist.
1868
Der Wirt Lorenz Pregler errichtet als zweiter Weismainer ein privates Brauhaus (heute
Brauerei Püls).
1881
Michael Dechant gründet einen Maurerbetrieb.
1907
Im Rathaus wird das Heimatmuseum eingerichtet.
1922
Der SC Weismain wird gegründet. Die Fußballer werden 1995 Meister in der Landesliga-Nord
und 1996 Meister der Bayernliga.
1942
Im Kommunbrauhaus wird letztmalig Bier gebraut.
1952
In Neudorf wird ein
Münzfund gemacht.
1972-78
Elf bisher selbstständige Gemeinden werden im Zuge der Gebietsreform nach Weismain
eingemeindet. Die Stadt hat heute 34 Stadtteile.
1976
Die Stadt erhält das Prädikat "Staatlich anerkannter Erholungsort".
1984
Beim Faschingsumzug
steigt Franz Besold als „Till“ zum ersten Mal in die Bütt vor dem Rathaus.
1986
Erstmals am Buß- und Bettag findet
in Weismain der traditionelle Martinimarkt („Mäddesmargd“)
statt, der zuvor auf den 21. November festgelegt war.
1990
Fünf alte
Weihnachtsweisen werden im Dezember
zu neuem Leben erweckt. Der gebürtige Weismainer Johann Degen (+
1637) hatte sie 1628 in seinem deutschen Diözesangebetbuch für mehrere
Stimmen erstmals veröffentlicht. Die Schallplatte „Weihnachtsmusik der Engel
und Hirten“ wurde im April des Jahres im Kaisersaal zu Kloster Banz mit der
Capella Antiqua Bambergensis und den Kaiserdom-Vokalisten unter der Leitung
von Prof. Dr. Wolfgang Spindler aufgenommen.
1995
Der SC Weismain wird Meister in der
Fußball-Landesliga Nord.
1998
Ein
Bürgerentscheid zum Thema "Umgehungsstraße" wird durchgeführt: Am 29.
März sprechen sich 54,89 % der
Stimmberechtigten für die große Westumgehung aus.
1999
Zum ersten Mal heißt es in Weismain "radTOURpur - von Autos keine Spur": Das
Kleinziegenfelder Tal und die Nebenstrecken werden am Pfingstmontag für den
Autoverkehr gesperrt, so dass Radler und Wanderer die Natur mal ganz ohne
Verkehr genießen können.
2004
Im Weismainer Kastenhof wird das NordJURA-Museum neu eröffnet. Im Gebäude
sind außerdem die Umweltstation des Landkreises Lichtenfels, die
Stadtbücherei St. Martin, das Stadtarchiv und die Touristinformation
untergebracht.
Aus Weismain stammen viele
bekannte Persönlichkeiten:
Dr. Paul Neydecker (+ 1565),
Generalvikar des Bamberger Bischofs
Dr. Friedrich Förner
(1568-1630), Weihbischof und Generalvikar in Bamberg
Johann Degen (1586/88-1637),
Kaplan und Komponist in Bamberg, Bearbeiter des ersten Bamberger Diözesangesangbuchs
Mauritius Knauer
(1613/14-1664), Abt von Langheim und Verfasser des Hundertjährigen Kalenders
Ignaz von Rudhart
(1790-1838), Regierungspräsident des Unterdonaukreises, Ministerpräsident von
Griechenland
Georg Thomas Rudhart
(1792-1860), Professor für Geschichte und Direktor des Kgl. Allgemeinen Reichsarchivs in
München
Lorenz Hopfenmüller
(1844-1890), Indienmissionar
-
Andreas Dück
(1891-1968), Heimatschriftsteller
Weitere Informationen:
Stadtarchiv Weismain
Am Markt 19, 96260 Weismain
Telefon (0 95
75) 92 13 29, Fax (0
95 75) 98 10 53
E-Mail an das Stadtarchiv
Öffnungszeiten
Nach Vereinbarung
Weiterführende Veröffentlichungen
über das Archiv
Hans Wolf, Archiv der Stadt Weismain (Inventare nichtstaatlicher Archive Bayerns), Bamberg
1953.
Bayerisches Städtebuch Teil 1 (1971), S. 567-570.
Zuständigkeit
Überlieferung der Stadt Weismain und ihrer Stadtteile
Art und Umfang der Bestände
47 Urkunden (1408-1848), darunter Urkunden der Bischöfe von Bamberg
Amtsbücher:
Stadtbuch (1 Bd., 1459-1654)
Neues Stadtbuch (1 Bd., 1584-1822)
Gerichtsprotokolle (1 Bd., 1551-1616)
Ratsprotokolle (9 Bde., 1623-1824)
Gemeindebücher (7 Bde., 1835-1870)
Beschlussbücher (6 Bde., 1888-1928)
Sühneprotokollbuch (1 Bd., 1906-1915)
Urbar- und Lehensbücher (3 Bde., ab 1518)
Rechnungen:
Bürgermeister- bzw. Stadtgemeinderechnungen (ab 1557)
Baumeisterrechnungen (23 Bde., 1599-1688)
Spitalrechnungen (ab 1517)
sowie umfangreiche Rechnungsbestände der Weismainer Stiftungen (ab 16. Jahrhundert)
Akten:
der städtischen Verwaltung (ab 15. Jahrhundert), besonders reichhaltig: Kriegs- und
Militärwesen sowie Stiftungen
Fremdbestände:
Sammlung Aumüller (Stiftung an die Stadt Weismain): 3 Urkunden (1695-1825), 8 Akten aus
dem 18. Jahrhundert, betreffend die Familien Brieghel, Leimer, Anselt, Schwerer,
Leihgeber, Rattler und Fuchs
Archivalien der eingemeindeten Orte
Arnstein, Buckendorf, Fesselsdorf, Großziegenfeld, Kaspauer (mit Altendorf und
Siedamsdorf), Kleinziegenfeld, Modschiedel (mit Wohnsig und Wunkendorf), Neudorf (mit
Görau, Herbstmühle, Krassach, Niesten und
Seubersdorf), Wallersberg (mit Frankenberg,
Mosenberg, Schammendorf, Waßmannsmühle und Weihersmühle) und Weiden
Nachlässe der Heimatforscher
Bernhard Dietz (1897-1933) und Johann Baptist Johannes (1883-1964) sowie des
Heimatdichters Andreas Dück (1891-1968)
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